Gronau-Hessen-Nassau
Kleine Geschichte(n) - von kleinen Leuten - in einem kleinen Dorf

Preußen Gronau

Als die Bach ein Grenzfluß war

 

von Hansfried Münchberg

Nicht immer gehörte der schöne Ort Gronau zu Hessen.

Die Kleinstaaterei der vergangenen Jahrhunderte bedeutete  für die Bevölkerung immer wieder einmal einen Wechsel der Obrigkeiten. Bis 1810 gehörte Gronau zum Fürstentum Hanau, danach fiel es an das  Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Seit 1821  gehörte es zum Land Kurhessen, Kreis Hanau. Von 1866 bis  1945 gehörte Gronau zum Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau.

So kam es, daß die umliegenden Dörfer Dortelweil, Rendel und Karben für die Gronauer Ausland waren, während Frankfurt, Vilbel, Bergen, Enkheim und auch Nieder- und Oberdorfelden als „Preussen“ Inland war

 


 

Diese Karte der Königlich preußischen Landesaufnahme von 1904 zeigt den Grenzverlauf  entlang der Bach, zwischen dem Königreich Preußen und dem nicht mit gezeichneten Kurfürstentum Hessen.

 Es galten in Gronau und den letztgenannten Gemeinden andere Steuersätze als in der hessischen Umgegend, was sich an den gut dokumentierten Abgaben auf alkoholische Getränke ablesen lässt. So war auf Bier welches man aus Vilbel bezog eine Abgabe von 5 Albus auf 160 Liter fällig, für die gleiche Menge Bier aus Dortelweil war eine Abgabe von 24 Albus fällig. Albus war damals eine in Hessen und bis zum Niederrhein verbreitete  Silbermünze, auch Silbergroschen genannt.

Bei derart unterschiedlichen Steuersätzen ist es nicht weiter verwunderlich, daß die Gronauer sich mehrfach der Anordnung widersetzten den Weg ins Ausland, nach Rendel, auszubauen.

Aus der Karte wird auch ersichtlich, daß die Nidder noch im Bereich Stockwiesenweg, Weißdornweg, Breitwiesenhalle eine große Schleife macht. Diese Schleife existierte noch gegen Ende der 50er als verlandender Altwasserarm, dicht mit Schilf bewachsen, sehr gut zur Herstellung von Pfeilen für unsere Flitzebogen geeignet.. Alle Häuser die heute in diesem Bereich stehen waren damals Ausland.

Als Steppkes hatten wir, ohne die Zusammenhänge zu kennen, immer ein etwas komisches Gefühl wenn wir die Bach Richtung Norden überquerten, irgendetwas stimmte da nicht. Vom heutigen Kenntnisstand nachvollziehbar.

Aus Wetterauer Zeitung 4. Juni 2018