Gronau-Hessen-Nassau
Kleine Geschichte(n) - von kleinen Leuten - in einem kleinen Dorf

Nachbars A-Loch

Erinnerungen von Rainer Hoch

Es war zu der Zeit nach dem 2. Weltkrieg, als es noch nicht viel gab. Man heizte die Wohnungen in Öfen und Herden noch mit Holz, Briketts und Eierkohlen.

Ich kann mich erinnern, daß abends vor dem Schlafengehen noch eine sinnvolle Aktion vorgenommen wurde. Man hatte gerade noch vor dem Röhrenradio mit dem „magischen Auge“ auf der Leinenstoffbespannung oben links, die Serie „Familie Hesselbach“ gehört, als das „zu Bett geh Kommando“ ertönte. 
Nun wurde ein ganzes Brikett im mehrere Seiten einer nassen „Frankfurter Nachtausgabe“ gewickelt (der Bad Vilbeler Anzeiger wurde damals leider noch nicht von uns bezogen). Dieses Nasspaket wurde sorgsam auf der noch vorhandenen Glut des Küchenherdes deponiert. 


Dies war eine Vorgehensweise um den Brennvorgang zu verlangsamen und am nächsten Morgen, nach vorsichtigem Öffnen der Brikett-Ladung, noch etwas Glut zum Anheizen vorzufinden.




Der Küchenherd war damals in der üblichen Form mit Ringen und runder Mittelplatte über der Feuerstelle versehen. Rechts war das Wasserschiff, darunter in Herdmitte der Backofen. Unter der Feuertür befand sich eine zweite Tür mit verstellbarer Belüftungsrosette, mit der man die Sauerstoffzufuhr von unten für den Brennvorgang regeln konnte. Nach Einlegen des Brikettpaketes wurde sie gedrosselt, d.h. die Rosettenfenster geschlossen.

Beim morgendlichen Anfeuern mit einer frischen Ladung Brenngut aus dem unter den Herd befindlichen Kohlekasten wurde die Belüftungstür meistens ganz geöffnet. Dies geschah, um den Brennvorgang zu beschleunigen und so baldigst die damals so empfundene, mollige Wärme in der Küche genießen zu können.
Hinter besagter Tür mit Luftzufuhrregelung befand sich der Aschekasten. 
In diesen Blechbehälter fiel die übrig gebliebene Asche des Brennmaterials durch den Rost des Feuerstellenbodens Dieser Rost war von außen durch einen Stößel, mit Knauf zum anfassen, mittels Zieh- um Stoßvorgängen zu bewegen. Man sagte „ich rüttel ma den Rost frei, de Herd zieht net richtig“. 
In ganz schweren Fällen kam der Schürhaken zum Einsatz. Der hing griffbereit seitwärts an dem umlaufenden Rohr, an dem man auch die Geschirrtücher trocknen konnte. Auch die Topflappen als Brandblasenverhinderer hatten an diesem Geländer ihren Platz. 
Mit dem Schürhaken konnte man durch die offene Feuertür das Brennmaterial auseinanderstochern, um wieder die Sauerstoffzufuhr von unten zu forcieren.
Es gab auch einen kleinen Hebel aus Eisen, der immer in Reichweite hing. Der hatte an einer Seite ein Griffteil, damit man sich nicht die Finger verbrannte. Am anderen Ende befand sich eine schmale, abgeknickte Zunge. Sie wurde in den vorhandenen Schlitz der Mittelplatte über der Feuerstelle eingeführt. So konnte man den Deckel anheben und auch von oben mit dem Schürhaken schüren.
Diese Vorgehensweise betraf aber nur Notfälle, denn bei angehobenem Mitteldeckel suchte sich der Rauch des Brennvorgangs natürlich den kürzeren Weg ins Freie, als den langen durch das Ofenrohr. 
Bei ungeschickter Vorgehensweise und nicht ganz treffsicherem Zurücksetzen des Deckels, waren auch schon mal tränende Augen, Husten und „leichtes Fluchen“ angesagt !
Durch alle diese Brenn- und Schürvorgänge füllte sich natürlich nach einiger Zeit der Aschekasten, Doch wohin mit der Asche ?
Auch heute wäre es nicht einfach, die Asche zu entsorgen.
Ich stelle mir vor, wie viele Kunststoff-Restmülltonnen durch die, teils noch mit Glutresten versehene Asche in Flammen aufgingen.

Damals gab es einige Entsorgungsmethoden. 
Wer einen Garten hatte oder einen Komposthaufen, konnte sich helfen. 
Die in Miete wohnenden Mitbürger hatten oft weniger Möglichkeiten. 
Einige entleerten die Aschekästen z.B. in die Fahrrinnen der Feldwege oder einfach durch Verstreuen in der Landschaft. 
Dies wurde nicht nur ungern gesehen, sondern war auch verboten. 
Unser Nachbar half sich, indem er eine Grube auf seinem Grundstück aushob. 
Sie war so dimensioniert, daß „einige Zeit“ die Asche darin entsorgt werden konnte. 
Dann wurde die Grube wieder zugeschüttet und eine neue kam zum Einsatz.
Da wir mit unserem Nachbarn „gut standen“ hatten wir von ihm auch eine Entsorgungsgenehmigung auf seinem Grund. Wir sammelten in einem Zinkeneimer immer 3 bis 4 Ladungen des Herd-Aschekastens. 
Der Eimer, in einem offenen Schuppen deponiert, wurde mit einem alten Topfdeckel abgedeckt, damit der Wind nicht die Asche durch die Luft entsorgten konnte
Eines Tages wurde ich zur Entsorgung verdammt. Ich ging, nicht ganz frohen Mutes, mit dem abgedeckten Zinkeneimer in Richtung Nachbar um die „Asch“ zu versenken. Dem mir entgegenkommende Feldschütz (damalige Ortspolizei) kam der gedeckelte der Behälter etwas merkwürdig vor. Auf die Frage was ich denn da transportiere antwortete ich: „De Herr Schmidt hat e Aschloch“! *
(*Name geändert. Ob dieser Vorgang in Originalversion aktenkundig wurde, ist mir nicht bekannt. In Verwandtschaft und Freundeskreis sorgte er aber immer wieder für Heiterkeit)