Gronau-Hessen-Nassau
Kleine Geschichte(n) - von kleinen Leuten - in einem kleinen Dorf

Im 30 jährigen Krieg

Die Dörfer um Frankfurt und die Wetterau im "Dreißigjährigen Krieg"

zusammengefasst von Hansfried Münchberg

Der Dreißigjährige Krieg zwischen 1618 und 1648, an dem fast alle Staaten Westeuropas beteiligt waren, wurde hauptsächlich auf deutschem Boden ausgetragen. Die Wetterau und der Frankfurter Raum wurden durch die Kriegerischen Auseinandersetzungen immer wieder schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Aus heutiger Sicht und von der Geschichtsschreibung so überliefert, schien der dreißigjährige Krieg ein Religionskrieg zu sein, Katholische gegen Reformierte kämpften da, so schien es, bevorzugt in deutschen Landen, um den wahren Glauben.

Es war aber auch ein Kampf, die vorherrschende Macht im Heiligen römischen Reich deutscher Nation zu sein, um die Streitigkeiten zwischen Habsburgern und Franzosen, zwischen Österreich/Spanien (Habsburg) gegen die Niederlande, zwischen Dänemark und Schweden.

Aus dem Abstand von nunmehr 400 Jahren, der Pulverdampf hat sich längst verzogen, sieht man aber auch hinter dem vorgeblichen Kampf um die richtige Religion eine erbitterte Auseinandersetzung um Macht, Pfründe, Land und Ländereien, kurzum, es ging wohl auch sehr ums liebe Geld.

In jener Zeit war Macht vor allem an den Besitz von Land und Leuten gebunden. Damals gehörten Personen einem Herrscher im wahrsten Sinne des Wortes, er konnte über seine Untertanen verfügen

39 Stiche von Ortschaften mit Porträt in der Mitte
Stich aus dem Theatrum Europaeum, Generalleutnant Spinola mit den von ihm eingenommenen Städten

Schon kurz nach Beginn der Auseinandersetzungen, im Jahr 1620 hatte sich die Armee des spanischen Generalleutnant Ambrosio Spinola im Rhein-Main Gebiet festgesetzt.

Er hatte Ende 1619 in Creutzenach (Bad Kreuznach) sein Winterquartier bezogen und drang im August 1620 massiv auf die rechtsrheinisch gelegenen hessischen Gebiete vor.

Zuvor hatten seine Truppen schon großes Leid über die Bevölkerung der Pfalz gebracht.

So heißt es in einem zeitgenössischen Bericht aus dem Jahr 1620: “Diß Volk welches auff den armen Bauersmann und die Bürger in der Pfalz zehrete brachte sie in das eusserste Verderben und thät ihnen viel Uberlasts an wiewol sie an diesen Händeln gantz unschuldig waren.“

Im August 1620 hatte sich Spinola dann den Frankfurter Raum vorgenommen. Im „Theatrum Europaeum“ des Mathaeus Merian wird das beschrieben. Um die Stadt Frankfurt ohne großen Aufwand zu besetzen, hatte er dem Rat der Stadt „mit Mund, Hand, und Siegel“ versprochen, daß diese unter der Einnahme nicht zu leiden hätte, wörtlich: „daß weder ihnen noch ihren Unterthanenen einiger Schad von seinem Volck wiederfahren solte“!

Schriftlich gibt Spinola am 23. August 1620 dem Frankfurter Rat die Versicherung: „ihre Stadt/ Bürger und Unterthanenen nicht allein nicht zu beleydigen/ sondern vielmehr alle gute Freundchafft zu halten/ Wir geloben und versprechen hiermit bey unseren wahren Worten/ Treuen und Glauben/ daß wir der Stadt Franckfurt und derselben Angehörigen/ sampt ihren Gütern mit diesem Exercitu (Armee) in keinerley Weg molest (belästigen) seyn/ sondern vielmehr nach Möglichkeit verschonen wollen/ auch unter keinem Schein/ wie das seyn möchte/ weder viel noch wenig Einlagerung an sie begehren/ oder ichtwas sonsten mit Gewalt oder feindlich vornehmen wollen/ darauff sich Bürgermeister und Rath gänzlich und sicherlich zu verlassen“.

Entgegen dieser Zusagen haben die Truppen Spinolas die umliegenden Frankfurtischen Dörfer geplündert und auch die Straßen unsicher gemacht, allen Städten und Flecken die unter ihrer Gewalt waren große Brandschatzungen und Steuerzahlungen auferlegt. Bauern und Kaufleuten wurde aufgelauert, ihnen wurden Karren, Güter und Rosse weggenommen, auch wurde berichtet, daß die „Welschen“ (damals wurden Franzosen und Italiener so genannt) um sich der Kälte zu erwehren die fruchtbaren Bäume und Weinstöcke ausgerissen und samt Wurzeln verbrannt haben.

Spinola der im August in Frankfurt sein Heerlager errichtet hatte, wandte sich danach der näheren Umgebung zu. So heißt es bei Mathäus Merian: „sondern als sie mit demselben fertig griffen sie weiter und brandschätzten viel Hessisch-Casselische, Hanauische und Solmische Dörfer. Unter Anderem haben sie auch das Schloss Rüdesheimb so Graff Friederich von Solms zuständig, eingenommen und besetzt“.

Auf Kaiserlichen Befehl, noch vor Schluß des Jahres 1620 befahl Spinola, die Städte und Grafschaften der Wetterau, sowie einige Taunusorte in Besitz zu nehmen.

Das Theatrum Europaeum berichtet: „Wilhelm Ferdinand von Essern ist in Spinolas Auftrag mit etlichem Volck für Friedberg kommen und dieselbe Stadt und Burg durch Übergebung in seine Gewalt gebracht.“

Auch hier sicherte Spinola dem Burggrafen eine schonende Behandlung der Burg und der Stadt sowie der wetterauischen Umgebung zu. Überzeugend vorgebracht wurde der Vorschlag zur Übergabe der Stadt dadurch daß die Spanier 20 Geschütze, mehrere 100 Musketen, viele Zentner Pulver und Blei und viele Pferde mit sich führten. In einer Chronik des Dr. Jeremias Molther aus Friedberg schildert dieser: „Den 16. Dec. um drei Uher Nachmittags ist, uf Ihro Kais. Maj. Begehren, der Graf von Isenburg mit einer Kompanie zu Pferd und zwo Kompanie zu Fuß spanisch Volk eingelassen und quartiert worde“.

Friedberg wurde übergeben und dabei, insbesondere dem Burgherren, vielerlei Zusicherungen gemacht. An erster Stelle die Zusicherung, daß dem Burgherren sämtliche Privilegien, Freiheiten und Gerechtigkeiten ohne Einschränkung weiter zugesichert werden, daß auch kein Anderer als Burggraf eingesetzt werde.

Unter Punkt 6 heißt es: „Das Zeughauß, mit Geschütz was darinnen auch auff den battereyen und anderswo, in Herrn Burggraffens und der Burgmann Gewalt und Commando zu lassen“.

In Punkt 8 ist festgelegt daß „Keinem gestattet wird in die Schreyberei und Registratur oder anderswohin, auch nicht in der Burg oder Burgmanns Häuser zu gehen und der Burg Heimblichkeiten zu durchsehen oder danach zu forschen“.

Burg und Burgmanns Häuser und Dörffer auch danieden zum Garten mit Einlagerung und Spolierung zu verschonen und dieselben zu schützen

Im abschließenden Vertragspunkt 13 heißt es: „Wann dieser Krieg und Kaiserliche Execution wider dero Feind vollbracht, so sollen alle Wachten so man biß dahin in der Burg gehabt, vor dißmal ihre Endschafft haben und den Burgmannen, ohne einige Entgelt wieder frey überlassen werden.“

Auf diese Zusicherung vertrauend, wurde am 14. Dezember 1620 (nach Julianischem Kalender) nach heutiger Zeitrechnung war es Heilig Abend, der 24. Dezember, die Burg um 2 Uhr Nachmittag übergeben.

Von allen diesen Versprechungen wurde so gut wie nichts eingehalten. Die Wetterau hatte unter der Last der spanischen Beatzung noch viele Jahre zu leiden.

Das Theatrum Europaeum berichtet noch aus dem Jahr 1620: „Hierauf haben die Spanische ferner vieler Ort und unter Anderem auch Wetzlar und Gelnhausen, wie ingleichen des Schlosses Müntzenberg sich impatroniert und überall nach ihrem Gefallen ohn einigen Widerstand gehauset, das Land an Vorrath erschöpft und zur Contribution und Brandschatzung genötiget und außgemergelt.“

Wetzlar, Gelnhausen und Müntzenberg wurden zerstört, die Bevölkerung der Wetterau durch Einquartierungen aufs äußerste ausgepresst. So berichtet ein Gastwirt aus Friedberg: „daß ich den Herrn Obristen hab aufnehmen mit 47 Pferden. Hab ich auch diesen Pferd Hafern und Heu genugsam müssen geben und ein Tag in den anderen müssen speisen 100 Person, alles von dem Meinigten. Bis in den 16. Tag hab ich solches ausgestanden. Ist also bei mir ufgangen und verzehrt worden 2100 fl. (Florint=Gulden).

Stich mit Landschaftsbild aus der Vogelperspektive
Schlacht bei Höchst im Jahr 1622, wer genau hinschaut entdeckt die Mündung der Nidda in den Main und einige Dörfer entlang der Nidda. Im Hintergrund sieht man einige Wetterauische Dörfer brennen.

Diese Drangsal musste die Bevölkerung noch viele Jahre, bis ins Jahr 1648 aushalten, dazu kamen mehrer Ausbrüche der Pest sowie einige Naturkatastrophen, extrem strenge Winter, man sprach von einer „Kleinen Eiszeit“ , im Winter 1622 war es so kalt, daß sogar der Rhein zugefroren war. Hinzu kamen Dürreperioden die die Ernährungslage dramatisch verschlechterten. Die Bevölkerung wurde durch Krankheit, Hungersnöte, Brandschatzungen, Plünderungen, Geiselnahmen, Entführungen, Vergewaltigungen durch marodierende Söldnerbanden immer weiter drangsaliert.

Die Besatzung der Spanier unter Spinola mussten die Hessen bis 1631 ertragen, da wurden die Besatzer u.a. durch den Schwedenkönig Gustav-Adolf vertrieben. Danach herrsche einige Jahre relative Ruhe.

Für Gronau sind im Einzelnen folgende Ereignisse belegt:

1622/23 nach der Schlacht bei Höchst beziehen die Truppen des Feldherrn Graf vonTilly ihr Winterquartier in der Gegend. Die Gemeinden hatten unter einer hohen Abgabenlast zu leiden. Die "große Frankfurter Hospitalhofreite" (Keimzelle des Dorfes) wird durch Feuer zerstört

1626 Die Pest wütet im Dorf und tötet eine große Zahl der Gronauer

1628 Kroatische Söldner (gefürchtet wegen ihrer Brutalität) unter General Graf Isolani verwüsten Vilbel und die Dörfer rundum

1632 Die Pest wütet im Dorf und tötet eine große Zahl der Gronauer

1635 Gronau ist durch den dreißigjährigen Krieg zur Hälfte zerstört. Eine große Hungersnot herrscht in der Gegend der Wetterau

1637 Die Pest wütet im Dorf und tötet eine große Zahl der Gronauer

1642 Die "große Frankfurter Hospitalhofreite" (Keimzelle des Dorfes) wird abermals durch Feuer zerstört. Vollständige Zerstörung des Ortes durch Feuer im 30 jährigen Krieg.

1647 Am 10. Februar 1647 vor dem Ende des Krieges wurde "das gantze dorff Grunaw undt damit das pfarrhaus abgebrandt"

Am Ende des dreißigjährigen Krieges waren möglicherweise 7 Millionen Menschen in Europa umgekommen.