Gronau-Hessen-Nassau
Kleine Geschichte(n) - von kleinen Leuten - in einem kleinen Dorf

Erster Weltkrieg 1916

Das Kriegsjahr 1916 in Gronau

 

zusammengetragen von Hansfried Münchberg

 

Im Januar des  Kriegsjahres 1916 ist die Witterung  mild geblieben, so daß Veilchen und Birken blühen und Rosen und andere Kräuter kräftig ausgeschlagen sind und zum Teil schon Blätter haben.

 

Montenegro hat um Frieden gebeten und die Waffen gestreckt.

Zur Feier dieses Ereignisses sind am 18. Januar wieder einmal die Siegesglocken geläutet worden.

Das kleine Land ist nun von den Österreichern besetzt und verhält sich ruhig.

 

Bombenangriffe auf London

An wichtigen Ereignissen aus dem Januar ist noch der von deutschen Zeppelinen durchgeführte  Luftangriff gegen England zu erwähnen, London wurde bombardiert, welches großen Schaden, vor allen auch psychologischer Art, angerichtet hat.

 

 



Noch ganz militärisch und martialisch 

Versorgungslage wird schwieriger, scheint aber noch gesichert

In der Heimat ist die Regierung weiterhin eifrig bemüht, die Versorgung aller Schichten des Volkes mit den nötigen Lebensmitteln zu beliefern.

 

Die letzten Verordnungen beziehen sich auf die Versorgung mit Fleisch, sie sollen in vollem Umfang im Lauf des Februar in Kraft treten. Inzwischen  versorgt man sich auf dem Lande, so auch in unserer Gemeinde, durch reichliche Schlachtung  mit den nötigsten Fleisch und Fettvorräten, so dass das außerdem noch genügend vorhandene Schlachtvieh größtenteils der Stadt zugeführt werden kann.

 

Da der Mangel  an Fleisch und Fett im Lande, besonders in den Städten, empfindlich fühlbar geworden ist, sind im Laufe des Februar auf Veranlassung der Regierung Viehhandelsverbände gebildet worden; durch diese Einrichtung soll die Zufuhr und gleichmäßige Verteilung von Ochsenfleisch geregelt werden.

Viele Städte haben auch zur Regelung des Verbrauchs  Fett- und Butterkarten ausgegeben, für Milch und Fleisch scheinen ebenfalls Verbrauchskarten zur Einführung kommen. Diese Maßnahmen werden als lästig empfunden, doch hofft man damit  durchhalten zu können.

 

Auf dem Land sind natürlich die Hauptnahrungsmittel etwas leichter zu haben. Besonders   hat man sich durch Hausschlachtungen eher mit Fleisch und Fett für längere Zeit versorgen können. Im Übrigen ist zu bedenken, dass gerade diese Zeit bis zum Heranreifen der ersten Gartenerzeugnisse und Futtermittel die für die Bevölkerung schwierigste Zeit des ganzen Jahres ist.

 

 



Sanitäts-Truppe

Damit dem Lande nicht allzu viel Arbeitskräfte durch den Heeresdienst entzogen werden, sollen ältere Mannschaften, die nur  garnisonsdienstfähig sind,  sowie Mannschaften aus dem letzten Jahrgang des Landsturms möglichst wieder in die Heimat entlassen werden.

 

Von den Gronauer Soldaten ist infolgedessen der Landwirt Friedr. Wolf Schwind bereits nach Hause entlassen worden. Es werden noch andere folgen.

 

Der verwundete  Joh. Berthold vom Gronauer Hof ist, noch nicht völlig geheilt, wieder bei seinem Ersatzbataillon in Jauer eingetroffen.

 

 

Da die ….. Jugend zum Teil den Ernst der Zeit nicht erfasst hat und unwürdiges  Benehmen an den Tag legt, hat das Generalkommando den Kriegszielen  folgend den nachstehenden Erlaß heraus gegeben:



 

 

In Gronau treten Erscheinungen, wie sie in diesem Erlass gekennzeichnet sind, wenig hervor

Im Monat März 1916 haben  in Frankreich die großen Kämpfe um die Festung Verdun mit Erfolgen  der deutschen Truppen begonnen.

Der Chronist berichtet in vaterländischem Überschwang: „Das furchtbare Artilleriefeuer von Verdun glaubten wir sogar hier gehört zu haben“

. Zur Entlastung ihrer Verbündeten haben Russland und Italien starke Angriffe gegen die deutsche bzw. österreichische Front unternommen. Erfolg hatten sie nicht. Dagegen haben die deutschen  Seestreitkräfte besonders die Tauchboote mit wachsendem Erfolg die Zufuhr und nach England gestört.

 

Zur kräftigen Fortführung des Krieges wurde im März die 4. deutsche Kriegsanleihe aufgelegt. An dem  Gesamtergebnis  von ungefähr 11 Milliarden Mark ist die Gemeinde Gronau mit 100 000 M. beteiligt. 

Von kirchlichen Geldern wurden 1100 Mark aus dem Gronauer Orgelbaufonds gezeichnet. Der Chronist schreibt: „Das Ergebnis der Vierten Kriegsanleihe wird nun unseren Feinden zeigen, dass sie uns auch finanziell nicht, ebenso wenig wie militärisch besiegen können. Ihre einzige Hoffnung ist nun noch die Aushungerung Deutschlands.“

Die Wintersaat auf den Feldern steht besser denn je. Die Frühjahrs - Feldbestellung ist rüstig in Angriff genommen und scheint trotz des Mangels am geeigneten Arbeitskräften auch vollendet werden.



Zerstörungen in Clery bei Peronne in Frankreich  1916 

Von den Gronauer Soldaten ist Georg Berthold  wegen tapferen Verhaltens in der  ….schlacht, die vorigen Herbst stattfand, mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. Seine in jener Schlacht eingefangenen Wunden sind gut verheilt;  doch ist er nicht mehr dienstfähig und deshalb in die Heimat entlassen. worden. Er hat wieder bei der Eisenbahn Beschäftigung gefunden.

Fritz Wenzel ( Wagner )ist in …. Unteroffizier geworden. Von den  übrigen Soldaten waren, manche Im April zur Feldbestellung in die Heimat beurlaubt. M. Schaub ist bei Verdun verwundet worden,(Granatsplitter im rechten Arm). Er liegt im Lazarett in Nauheim.

Im April 1916 heißt es dann: „ Wir müssen uns, besonders hinsichtlich des Fleischgenusses noch mehr einschränken lassen. Außerdem muß unsere Regierung noch weit kräftiger den bodenlosen Kriegstreibereien von Vaterlandsverrätern steuern? Im Übrigen werden wir mit Gottes Hilfe durchhalten.“

Nach Ostern gab es im Jahr 1916 herrliche  Frühlingstage, bis in den Mai hinein wurde gesät. Alles Versäumte konnte auf den Feldern nachgeholt werden. Die Birnenblüte  konnte sich prächtig entfalten.

 

Skagerrakschlacht - Schlacht um Verdun



deutsche Marinesoldaten 1917

In der Nordsee fand am 31. Mai und 1. Juni die größte Seeschlacht des ersten Weltkrieges zwischen der Marine der Royal Navy und der Kaiserlichen Kriegsmarine statt.  statt, die „Skagerrakschlacht“, es waren mehr als 200 Schiffe darin verwickelt, sie forderte mehr als 8 500 Menschenleben, jedoch konnte keine Seite einen deutlichen Sieg erringen, obwohl dies jeweils sowohl von England als auch vom Kaiserreich für sich reklamiert wurde.

Auch die fortschreitenden Kämpfe bei Verdun haben nicht dazu geführt, daß begründete Friedensaussichten vorhanden wären.

Wieder hat einer der Gronauer Soldaten das Eiserne Kreuz erhalten., Wilhelm Schaub, und zwar wegen tapferen Verhaltens in den Kämpfen vor Verdun. Wilh. Schaub   ist der Vater des ebenfalls mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichneten tapferen Kameraden August Schaub.

 Neuer Pfarrer in Gronau

Am 1. Juli wird der Gronauer Pfarrer Boos, der fast sieben Jahre in Gronau seinen Dienst versah,  nach Hanau - Kesselstadt versetzt. Sein Nachfolger wird am 1. Oktober 1916 der in Oberdorfelden als Sohn des dortigen Pfarrers geborene Carl Sopp. Sein Einzug in Gronau verlief allerdings etwas „holprig“, da der Möbelwaggon durch Entgleisungen auf der Bahn arg beschädigt war und kaum Helfer für das Ausladen der Möbel aufzutreiben waren

Seinen ersten Eindruck von den Gronauern schildert Pfarrer Sopp folgendermaßen: „Schon der erste Eindruck hat mir gezeigt, dass in der Landbevölkerung eine tiefe Verbitterung gegenüber den Staats -Maßnahmen zu bemerken ist und die Verbitterung richtet sich dann auch gegen die Kirche.

Wenn auch die Kirche in Gronau für die Gemeinde viel zu groß ist, so war ich doch über den schlechten Kirchenbesuch sehr erstaunt...“

Ende November kam die Nachricht, dass der Musketier Fritz Weissenstein nach den Kämpfen von Sailly Saillisel vermisst sei. Er war geboren zu Kilianstädten am 16.10. 96 und befand sich bei dem Stoßtrupp  11. Kompanie 39. Infanteriedivision Regiment 172. Seine Eltern sind sehr  in Sorge, was auch nur zu berechtigt ist., Da nach Lage der Kämpfe damals wenig Aussicht vorhanden ist das er sich noch meldet. 

Am Anfang des Monats verkündete die Gronauer Glocke wieder einen Sieg. Am 3. XII. 1916 war die siegreiche Schlacht am Argesul und am 7.12.1916  fiel Bukarest.

Der Dezember hat den Landleuten  Ruhe gebracht, die sie redlich verdienen wegen schwerer Arbeit bei anhaltenden Nässe.