Gesellig in Gronau

Jugendvereinigung

Gesangverein Germania

und Kerb




Die "Jugendvereinigung Gronau"

Eine wichtige Rolle im Leben des Nachkriegs - Gronau spielte die "Jugendvereinigung".

Junge Gronauer trafen sich regelmäßig zur gemeinsamen  Geselligkeit und zu allerlei Aktivitäten. So wurden regelmäßig Fassenachts-Sitzungen mit Elferrat und Büttenreden und allerlei Vorführungen organisiert, kleine Laienschauspiel- Aufführungen einstudiert und im Saal des "Kröger"unter großer Anteilnahme der Gronauer Bevölkerung auf die Bühne gebracht. Der Saal war dann immer rappelvoll, denn fast jede Familie aus dem Dorf hatte einen Mitwirkenden im "Ensemble". Zahlreiche Tanzabende, wie Tanz in den Mai und zur Gronauer Kerb wurden  veranstaltet.

                                                    

Der Gronauer Elferrat, vermutlich 1953, Vorsitzender war Heinz Hoch, 2. v.r.       Heinz Hoch vor der Gaststätte "Zur Rose"

Jugendvereinigung Gronau

Geselliges Beisammensein, Laientheater, Fastnacht,  Gronauer Kerb, Sport,Ausflüge - alles gemeinsam

 

 

 
 
 

 

Werbefahrt für die Elferratssitzung der Jugendvereinigung nach Rendel und Niederdorfelden, Fastnacht 1948, Heinz Hoch, Lothar Horn, Willi Kroh
 
 

 
 

 

 

 
 


Der Elfer - Rat der Jugendvereinigung vor dem Lokal Kröger am Bahnhof, etwa 1948




Die Gronauer Kerb - Höhepunkt im Jahresablauf

Einer der Höhepunkte dörflichen Lebens war die jährliche Gronauer Kerb. Diese wurde am zentralen Platz des Dorfes gefeiert. Was für Berlin der "Alexanderplatz" war damals für Gronau der "Dalles", das Zentrum des Ortes. Die Gronauer Kerb ist erstmals überliefert im Jahr  1569.


Gronau mit Schulhaus (oben links),sowie dem  Gasthaus "Zur Rose" am "Dalles".  Hier spielte sich die Gronauer Kerb ab.                                               (Abb. Ansichtskarte mit freundlicher Genehmigung des "Weinhaus Hamm",Danke an Herrn Thomas Völp)

Der Kerbbaum, eine junge Birke wurde  gemeinsam von den Jugendlichen der Jugendvereinigung im Vilbeler Wald  geschlagen, mit bunten Bändern geschmückt und in feierlicher Prozession ins Dorf gebracht. Die  selbstgebastelte "Kerblies", eine lebensgroße Puppe, die aus Stohbündeln zusammengebunden, mit Strümpfen, Rock und Bluse sowie Schürze bekleidet, auf einem alten Küchenstuhl befestigt, war schon präpariert. Sie wurde bei Hochs im Hof abgeholt und mitsamt dem Baum im Triumphzug durchs Dorf getragen, um dann  jährlich wechselnd vorm "Wirt",  am "Gasthaus zur Rose", bzw. vorm Kröger aufgestellt zu werden.









Bild rechts:Kerb bei A. Kröger, oben von links nach rechts:
O.Weisenstein(?), "Kerblies", L. Horn, W. Blum, K. Fassel
vorne von links nach rechts: G. Wenzel, H. Wenzel,
K. Blum, O. Arnold

 Die eigentliche Kerb  bestand im Wesentlichen aus dem Tanzvergnügen im Saal des Wirtshauses  "Zur Rose" sowie dem Festplatz, dem Dalles, mit einem kleinen Karussell, welches normalerweise neben der Bäckerei Wenzel (heute Kröger`s Brötchen) stand, ich meine mich erinnern zu können, daß Anfang der 50er Jahre ein Karussell, wie eine Raupe, die schwankende Krinoline, aufgebaut war, das jedoch nicht von einem Motor angetrieben wurde, nein, die "rasende" Fahrt wurde mit Muskelkraft erreicht, denn unter den Fahrgondeln rannten junge Burschen im Kreis und schoben das Karussell an. Daneben stand oft noch eine Ballwurfbude oder eine bescheidene Losbude. Eine Schiffschaukel sowie eine Schießbude standen  am Anfang der heutigen "Berger Straße"

Zeichnung: Die "Kerblies"  wird abgeholt



                                                                             

Glücklicherweise wird heute die Tradition der Gronauer Kerb von den Gronauer Kerbeburschen aufrechterhalten. Nähere Informationen und aktuelle Termine hierzu erhalten Sie unter www.gronauer-kerbeburschen.de

Sport und Geselligkeit

 Sportliche Aktivitäten wurden gemeinsam angegangen, der Sportplatz, eine saure Wiese hinter dem "Gronarissprudel" wurde etwa 1953 /54 in Eigenregie angelegt. Zwei Tore wurden aufgestellt, jedoch ohne Netz, was dazu führte, daß der Ball oft in dem Graben landete, der die saure Wiese zur Straße hin begrenzte, oder aber er landete auf der anderen Seite im Morast des Riedmühlen -Teichs. Der Sportplatz existiert  an dieser Stelle nicht mehr, er war etwa da, wo heute das Neubaugebiet "Am Gronaris-Sprudel" ist.
Zur weiteren sportlichen Betätigung  gab es ein Rugby- Ei , einen Diskus, einen Wurf -Speer und Kugel zum Kugelstoßen, eine Trillerpfeife sowie ( heute noch existierend) ein Bandmaß.


Bandmaß und Trillerpfeife, Ausrüstung der Jugendvereinigung

Unvergesslich sind die Silvesterabende, wenn die Jugend sich bei Hoch`s traf. Es ging hoch her, bei  Bowle ( gemixt  aus einem Glas eingemachter Früchte, meist Pfirsiche, einer Flasche Selters, sowie einer Flasche "Perlwein" ) und Häppchen im Stil der Zeit.  Lachsersatz - Schnittchen mit Ei und Zwiebelringen, Pumpernickel-Käse-Würfel, "Kaviar"-Brot (aus Seehasenrogen) , sowie "Russisch Ei"  waren liebevoll vorbereitet.

Man hatte nichts, machte aber etwas daraus.Dabei ging es immer sehr fröhlich zu, es wurde viel gelacht, laut gesungen, Fassel`s Karl spielte auf der Posaune, ein ordentliches kleines Feuerwerk um Mitternacht war garantiert.                                    

                                                   Fassenacht in Gronau, vorne links Fassel`s Karl, einarmiger Posaunist,                  Maria Hoch, Karl Blum, Anna Blum


Gesangverein "Germania" Gronau

Eine ausführliche Dokumentation zu 100 Jahre Gesangverein Germania 1889 Gronau finden Sie hier


Festausschuss, 75- jähriges Jubiläum Gesangverein "Germania" Gronau 1964                                                                                     
beim Festumzug am 14. Juni 1964

Eine beständige Einrichtung des geselligen Lebens in Gronau war der Gesangverein "Germania". Dort waren alle wichtigen Männer des Ortes zum Gesang vereint. Es versteht sich, daß es ein reiner Männergesangverein war. Dieser traf sich regelmäßig in der "Rose" zum gemeinsamen Singen, sowie zum anschließenden geselligen Beisammensein, bei einem, oder mehreren Gläsern "Stöffche" oder "Gespritztem". Natürlich wurden dabei heftigst die Geschicke des Ortes erörtert, sowie das Weltgeschehen von allen Seiten beleuchtet. Es roch nach Henninger Bier, Äbbelwoi der aus dem Bembel ausgeschenkt wurde, und nach  Zigarrenrauch, besonders beliebt waren damals die preisgünstigeren  "Stumpen".

Die Chronik des Vereins weist bei seinem 75 jährigen Bestehen im Jahre 1964 als aktive Mitglieder eine Anzahl von 52 Sängern auf, weiter förderten den Verein  40 passive Mitglieder. Unter den Mitgliedern waren 23 Herren, die alle den Nachnamen "Wenzel" trugen. Also hieß gar nicht -ganz-  Gronau  "Wenzel", wie wir Kinder immer dachten, sondern höchstens ein Viertel der Gronauer

Als Ehrenmitglieder sind aufgezeigt: Friedrich Ferdinand Wenzel, Theodor Wilhelm Wenzel (Bürgermeister), Karl Friedrich Wenzel, Wilhelm Phillip Wenzel, Heinrich Herche, Friedrich Arnold und Jean Schwarzhaupt.

Wie sehr sich die Bevölkerungsstruktur und auch die Mitgliedschaft in den darauf folgenden 25Jahren gewandelt hat, weist eine Mitgliederliste aus dem Jahr 1989 aus, die unter den aktiven Sängern nicht ein einziges mal den Namen "Wenzel" aufweist. Dafür gibt es aber jetzt unter den Aktiven 29 Frauen und nur noch 16 Männer. Es sei allerdings noch erwähnt, daß die Wenzels nicht ganz in Gronau ausgestorben sind, immerhin finden sich bei den passiven Sängern noch 13 mit dem schönen Namen "Wenzel".

Leider hat sich der Gesangverein wegen Mangel an Aktiven inzwischen aufgelöst.


Eine kleine Gronauer Namenskunde finden sie hier
 

Der Name Wenzel kommt wohl aus dem Böhmischen.

Dort ist Wenzeslaus ein häufiger Name.Es deutet darauf hin, daß die Wenzels aus Böhmen zugewandert sind.So ist schon im Jahre 1315 ein Wentzelo in Gronau bekannt.

Weitere alteingesessene Gronauer Familien, die bis heute im Ort heimisch  sind zum Beispiel: Arnold, Bach, Baltzer, Bauscher, Böckel, Diehl, Laupus, Meisinger, Mohr und Schwind




Gesangverein Germania Gronau im Jubiläumsjahr 1964  (Foto von  A.Fischer)