Gronauer Kirche




Gronauer Kirche, festlich zur Konfirmation geschmückt
Foto: Christa Heinrich




Geschichtswerkstatt

Textauszüge aus der handgeschriebenen
Gronauer Kirchenchronik
von Pfarrer Broscheit



 Im Gronau jener 50 er Jahre lebten fast ausschließlich Protestanten. Nur wenige Katholiken waren als Heimatvertriebene zugezogen. Im Jahr 1953 waren 620 Gronauer evangelisch, aber nur 195 Katholiken.

Die evangelische Kirchengemeinde wurde ab dem 1. April 1947 von Pfarrer Broscheit  (geb. 1908) aus Hirschfeld / Ostpreußen betreut.

Dieser hat glücklicherweise eine handschriftliche Chronik der Gronauer Kirchengemeinde fortgeschrieben und auch etliche
Fotografien beigefügt, so daß heute noch ein gutes Bild des Gemeindelebens nachvollzogen werden kann.


Diese Chronik ist außerordentlich umfangreich, hier werden deshalb nur kleine Episoden dargestellt.
Eine bebilderte auszugsweise Abschrift der Chronik, sowie ergänzend eine ausführliche Abhandlung zur Gronauer Kirche von Walter Heil, finden Sie in der Geschichts-Schmiede.

Der heutige Kirchenbau wurde in den Jahren 1718 / 1719 erbaut. Eine Mauer umschließt den mit Sträuchern überwucherten Kirchhof. ( Aus einem Zeitungsartikel 1959 ).

Der barocke Saalbau mit seinen gotisierenden Fenstern und dem schiefergedeckten Dachreiter ist noch heute das beherrschende Wahrzeichen des Ortes.
Das Kircheninnere war überaus üppig mit Emporenmalereien geschmückt, da die Kirche in Gronau Lutherisch und nicht Reformiert war, wie die eher schlichten Kirchen der Nachbargemeinden.

Das dekorative Prunkstück des Innnenraums ist aber zweifelsohne die barocke Orgel aus dem Jahr 1777, die der Orgelbauer Henrich Jacob Sier für die Gemeinde baute, sowie das Kruzifix, vermutlich aus dem Jahre 1684, das dem Frankfurter Bildhauer Johann Wolfgang Fröhlicher zugeschrieben wird. (Vergl. "Walter Heil, Dir Kirche in Gronau, Festschrift von 1986, 1200 Jahre Gronau")

 

Die Gronauer Kirche im Sommer 1947, die Fenster sind teilweise mit Drahtglas oder Blech, teilweise gar nicht geflickt. Das Kirchhoftor wurde erneuert, es war völlig verfallen.

Pfarrer Broscheit hatte eine prominente Fürsprecherin, als er sich um die Pfarrstelle bewarb.
In einem Schreiben an den Landesbischof Dr. Wüstemann setzt sich die später als ZEIT-Herausgeberin bekannt gewordene Journalistin Marion Gräfin Dönhoff sehr nachdrücklich mit besten Empfehlungen für den Pfarrer ein, der ihr aus ihrer ostpreussischen Heimat als Pfarrer der Gemeinde Thierbach, Kreis Preußisch Holland, gut bekannt war und von ihr sehr geschätzt wurde.



Die Gronauer Pfarrersleute
Pfarrer Horst Broscheit und seine Frau Charlotte etwa 1947

Neue Glocke für Gronau

Eine der zentralen Ereignisse der Gronauer Kirchengemeinde der unmittelbaren Nachkriegsjahre war die Beschaffung einer neuen Glocke für die Gronauer Kirche. Eine Glocke war 1941 entfernt worden um daraus Kanonen für den Führer zu gießen.

Eine neue Glocke wurde im Jahr 1952 angeschafft.
 In seiner Chronik berichtet dazu Pfarrer Broscheit: "Die Niederdorfelder Gemeinde beschloss in einer Sitzung der Gemeindeversammlung und des Kirchenvorstandes am 12. August 1952 die Anschaffung zweier neuer Glocken. Im Anschluß daran wurde auch in Gronau der Wunsch nach einer neuen Glocke laut.
Ich habe daher in 3 Wochen von Haus zu Haus über 3000.-- DM erbeten und  in Kochendorf (Baden-Würt.) bei Bachert  (Anm. Glockengießerei) durch den Vertreter, Herrn Wörner in Windecken, die neue h`-Glocke bestellt. Herr Wörner brachte auch die alte, vorhandene Glocke in Ordnung, beschaffte neue Gurte, legte sie in Kugellager und fertigte für die d`-Glocke einen neuen Klöppel und neue Kehrscheibe "
 
Die festlich geschmückte neue Glocke für Gronau

Er berichtet weiter:" Am 28.10.1952 wurde die neue Glocke gegossen, wozu der Herr Bürgermeister Theodor Wenzel und
7 Gemeindemitglieder unseres Ortes nach Kochendorf gefahren waren.Am nächsten Tage fuhr ich mit den mir befreundeten Herrn Butler, Landrat Wolf und Graf Bothmer im Auto von Herrn Butler  nach Kochendorf, wo wir die Glocken für Niederdorfelden und Gronau aus der Grube gehoben noch in den Formen sehen konnten.


Es ist den Bemühungen der Firma und ihres Vertreters Herrn Wörner zu verdanken, dass wir unsere Glocke am Freitag Abend von Windecken abholen, am Sonnabend Vormittag nach den Höfen (Gronauer Hof, Junkerhof ( Niederdorfelden), Dottenfelder Hof) und durch den Ort fahren konnten und am Nachmittag die Glocke auf den Turm bringen konnten. Dabei halfen viele Männer unserer Gemeinde tatkräftig mit, sodass nach den vorbereitenden Arbeiten die durch den Wagner  Gerhard Wenzel und Schmied Matthes getroffen waren, am Sonnabend zur Probe geläutet werden konnte ."

Und wir Gronauer Buben sahen zu und standen oft im Weg.

Die Glocke wurde in feierlichem Umzug auf einem, mit vielen Tannengirlanden geschmückten, Wagen durch den Ort gefahren. Dazu wurden die edelsten Pferde des Dorfes, die Rappen von Richard Böckel eingespannt. Die anderen Bauern hatten alle nur richtige Ackergäule, aber die beiden Rappen von Böckel waren Vollblüter.


Bildunterschrift von Pfarrer Broscheit: Herr Böckel mit seinen Rappen, neben Ihm Walter Giesel und Willi Kroh
in der neuen Straße am Dorfausgang nach Niederdorfelden. Die Glocke war durchs Dorf, an der Bahn und
Schule vorbeigefahren und wurde an der Bürgermeisterei vorbei zur Kirche gefahren


Pfarrer Broscheit berichtete weiter:" Im feierlichen Gottesdienst am Sonntag, den 3.11.52 wurde die Glocke zusammen mit der alten, die genau vor 200 Jahren  1752 der Gemeinde zu läuten begann, von Herrn Dekan Lippert vom Altar aus gerufen.

Die Inschrift der Glocke:

Den Opfern des Weltkrieges 1939 - 1945


in spem contra spem
(auf Hoffnung gegen alle Hoffnung )


Jesus Christus Pax


Die Kirchengemeinde Gronau 1952


Spendensammeln in Gronau - Kollekte statistisch

 Wie oben erwähnt, waren die Gronauer eine spendenfreudige
Gemeinde.
Pfarrer Broscheit hatte für die Glocke in nur 3 Wochen 3000.-- DM
gesammelt.
Eine Auswertung der Adventssammlung 1947 weist wiederum
die Gronauer als sehr großzügige Spender aus.
 
Gronau
Niederdorfelden
Kilianstädten
Oberdorfelden
Betrag pro Spender        
10,60  DM
   3,35  DM
   2,50  DM
   3,87  DM


Die Vorhölle - Qualen eines Pfarrers

In der Kirchenchronik fällt eine häufige Fluktuation bei der Besetzung der Pfarrstelle auf.
Das mag daran gelegen haben, daß auswärtige Pfarrer es sehr schwer hatten, in Gronau Fuß zu fassen.
Pfarrer Broscheit blieb zwar eine ganze Weile, immerhin von 1947 bis 1968,  gut 25 Jahre in Gronau, aber auch er scheint ordentlich gelitten zu haben.

Hier, zum Beispiel, ein Eintrag in seiner handschriftlichen Chronik  aus dem Jahr 1959
(Zur besseren Lesbarkeit unter dem Bild in Druckschrift)




Die Anmerkung lautet: Januar 1959, Blick aus dem Zimmer an der Nord-Ost-Seite des Pfarrhauses auf die Kirchstraße - Haus der Wagnerei Wenzel, Kirchgarten mit den von mir gepflanzten Bäumen, in das Gehöft des Bauern Böckel.
Meinen Nachfolgern zur dringenden Bitte: Lasst die Bäume um Pfarrhaus und Kirche stehen !
Sie sind der einzige Trost in diesem Dorf. Ohne diese Bäume seid ihr völlig vereinsamt.


Zweites Bild: Vom Fenster des Amtszimmers durch die Nussträucher auf die alte Schule, die jetzt Frau Lamp gehört und das alte Haus von Lamps.
Beide Häuser sind vermietet. Die Einwohner spielen gewöhnlich bei geöffneten Fenstern mit voller Lautstärke Radio und Platten. Die Musik ist so schlecht, dass man sich wie in der Vorhölle vorkommt. Ohne Rücksicht auf Nachbarschaft und Umgebung stören diese Leute mit ihrem Lärm das Dorf und verleiden uns das Leben hier.
 Ich habe diesen Krach und diese sogenannte Musik oft verflucht. Hier kann man erleben, dass die anderen die Hölle sind.



Kirchendach und Turm Reparatur

Da die Parrstelle in Gronau während der Kriegszeit über viele Jahre nicht besetzt war, war die Kirche in einem stark verwahrlosten Zustand.
Pfarrer Broscheit packte tatkräftig ein Problem nach dem Anderen an, so gelang es ihm, im Laufe der Jahre den Verfall des Kirchengebäudes und des Pfarrhauses zu stoppen und die Kirche wieder in einen vernünftigen Zustand zu versetzen.
Ein großes Problem war die finanzielle Not der Kirchengemeinde.
 Weder von der politischen Gemeinde Gronau noch vom Kirchenamt waren größere Geldbeträge zu erwarten. Mit viel Engagement und Phantasie gelang es dem Pfarrer aber immer wieder, Gelder einzusammeln. Vieles wurde auch in Eigenleistung oder durch mithelfende Familienangehörige der Pfarrersfamilie bewerkstelligt.

So war es dann 1953 an der Reihe, das Kirchendach und den Turmreiter zu erneuern.

Er berichtet: " Zur Erneuerung des Kirchen- und Turmdaches soll ein Gemeindeabend stattfinden, zu dem ich folgendes kleines Gedicht schrieb, das von unserer Tochter Barbara vorgetragen und der Refrain von den Kindern gesungen wurde."

 

Barbara Broscheit singt „Willkommen liebe Leute"
der Kinderchor des Kindergottesdienstes
„Heile Heile Gänschen !"

Willkommen, liebe Leute !
Willkommen, liebe Gäst !
Kein Tanzen gibt es heute
und auch kein großes Fest.
Heute gibt es ein Kinderspiel
Auch das ist manchem schon zu viel

Heile, Heile, Gänschen !
Es wird schon wieder gut.
Das Kätzchen hat ein Schwänzchen !
Es wird schon wieder gut.
Heile, heile Mausespeck !
Nach hundert Jahren ist alles weg.

Die Kirche muß verfallen -
Sie kostet zu viel Geld !
So hört man es von allen -
und auch der Kirchturm fällt !
Das redet man schon dreißig Jahr -
Noch immer steht die Kirche da.


Heile,Heile, Gänschen...

Die Leuchter für das Kirchenlicht,
die Orgel mit Motor
Die Uhr ging überhaupt nicht,
Jetzt geht sie etwas vor.
Gestiftet war das Kanzeltuch
Zum Schluss ein neues Bibeltuch

Heile, Heile Gänschen...
 


Alles nur ein Anfang
Immer bleibt ein Rest -
Die Glocke findet Anklang,
das Dach zu wünschen lässt.
Macht nur kein solch gross Geschrei !
Das Dach kommt auch noch an die Reih.

Heile, Heile Gänschen...

Geduld müssen wir haben
und tuen was man kann
Durch neue gute Jahre
Als nächstes kommt heran:
Die Decke und die Malerei,
Auch dieser Zustand geht vorbei

Heile, Heile Gänschen...


Die Kinder (Konfirmanden und Katechumenen 1951 /53) spielen für die Erneuerung des Kirchendaches



Aus dem vollbesetzten Saal des Krögers
(Bahnhofswirtschaft) 15. März 1953




Unsere evangelische Kirche zu Gronau

(von Walter Heil)

Dieser Beitrag erschien in der Festschrift zur "Wiedereröffnung" der Gronauer Kirche, nach der Renovierung im Jahr 1991.
Herr Walter Heil hat ihn freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Ein Haus aus Glorie schauet weit über alle Land,
aus ewgem Stein erbauet, von Gottes Meisterhand.
Gott wir loben dich, Gott wir preisen dich.
o laß im Hause dein , uns all geborgen sein!

(aus einem alten Kirchenlied)



Gronauer Kirche,Westfassade
 Aus der Vorgeschichte der Kirche Zum ersten Male wird im Jahre 1229 von einer Kapelle berichtet, als Ritter Konrad von Erlenbach die Kirche dem Kloster Haina schenkte.
1332 wird eine Pfarrei und ein Pastor Hartmann in Gronau genannt.
Um 1465 wird die Gronauer Kirche dem Marien Stift zu Lich einverleibt.

Die Reformation.begann 1564 mit dem 1.evangelischen Pfarrer Nikolaus Klein.
Unter diesem Pastor wurde die alte Kirche abgerissen und als Vorläuferin der heutigen 1571 eine neue Kapelle erbaut. Wechselvolle Zeiten und Kriege kamen und gingen, bis schließlich die Geschichte der heutigen Kirche beginnt. Die alte Chronik erwähnt zum Neubau folgendes:
"Die Kirche zu Gronau, zu welcher am 10.Mai 1718 der Grundstein gelegt wurde ist am 11. Sonntag nach Trinitatis 1719 durch ihrer Hochwürden, Herrn Superintendent Meuschen aus Hanau eingeweiht worden." Weiter berichtet die Pfarrchronik:"Die Kirche ist ein massivsteinernes Gebäude mit auf der Westseite stehendem hölzernen Turm (Dachreiter), der, mit Schiefer gedeckt, eine schöne Kuppel mit schmiedeeisernem Kreuz hat. Die Kirche ist aus eigenen Mitteln der Gemeinde erbaut und hat 1821 sowie 1853 durchgreifende Reparaturen erfahren.

Die Anordnung von Emporen, Altar, Kanzel und Orgel repräsentiert einen bestimmten Typ der barocken protestantischen Predigtkirche wie er sich in der Wetterau seit dem 17. Jahrhundert herausgebildet hatte. Der evangelische Gottesdienst war ausschließlich Gemeindegottesdienst. In seinem Mittelpunkt stand die Predigt als Verkündigung und Auslegung des Wortes Gottes. In Liturgie und Kirchengesang, beides wesentliche Bestandteile der lutherischen Prägung, konnte so die Gemeinde eine räumliche und enge Beziehung zwischen sich und dem Pfarrer schaffen.

Die künstlerischen Glaubenszeugen in der Kirche
Die Gronauer waren darauf bedacht, das Innere ihrer Kirche auch schön mit Malereien auszustatten. An drei Seiten, um zusätzlichen Raum und Sitzgelegenheiten zu gewinnen, sind 1718 die Emporen eingebaut worden, nur die Südseite blieb frei, damit das volle Sonnenlicht in den barocken Raum einfallen konnte. Die Ausgestaltung der Brüstungsfelder bot sich geradezu für eine reiche Ausmalung an. In 38 Kassetten werden die Propheten des Aten Testaments, die 12 Apostel des Neuen Testaments und Szenen aus dem Leben Christi dargestellt. Es gibt wenige Kirchen, die diese reiche Folge figürlicher szenischer Barockmalerei aufweisen. Die meisten protestantischen Kirchengemeinden unsrer Heimat wurden reformiert, und aller Schmuck fiel dem „Bildersturm" zum Opfer. Die evangelische Gemeinde, so die Pfarrchronik,ist stolz darauf, den lutherischen Charakter bis heute erhalten zu haben.
Es sind keine Kunstwerke eines bedeutenden Meisters. Wahrscheinlich hat der Maler Johann Jacob Hauck aus Homburg,   der ähnliche Bilder in die Brüstungsfelder der Emporen 1720 in Altenstadt malte, auch die Motive aus der biblischen Geschichte geschaffen. (Anmerkung der Redaktion: sehen Sie hierzu bitte eine abweichende Meinung am Ende dieses Artikels). In ihren alten, echten Farben haben sie heute noch eine große Aussagekraft. Wie wäre es, wenn uns die Bilder aufforderten, wieder einmal die Bibel zur Hand zu nehmen und über die Schriftpropheten des AT nachlesen würden; sie waren 'Dolmetscher', die Sprecher Gottes. Dazu müssen sich natürlich die Bilder des Neuen Testaments mit dem 'Heil der Welt', dem Messias, anschließen
Greifen wir wieder zum'Buch der Bücher.'! - Sicher werden diese Gemälde seit über 270 Jahren die lebendige Bibel zum Religionsunterricht, zur Christenlehre und zur Predigt für die Jugend und die Erwachsenen von Gronau gewesen sein.

Das dekorative Prunkstück der Kirche bildet die Orgel aus dem Jahre 1777, die der Hanauer Orgelbauer Heinrich Jakob Sier für 500 Gulden an die Gemeinde lieferte.
Die Vorderseite, das sogenannte Prospekt, präsentiert die sichtbaren Pfeifen und das schmückende, mit Ranken und Blumen reich verzierte Holzwerk ist ein ornamentales Schmuckwerk mit den beiden pausbackigen Putten. Im Laufe der Jahrhunderte waren einige Reparaturen nötig, bis im Zuge der Gesamtrenovierung 1968 unter Pfarrer Broscheit ein neues Werk mit 11 Registern und zwei Manualen eingebaut wurde. Es tönt mit neuem Schwung das „sursum corda - Empor die Herzen" im kirchlichen Raum.
Als weiteres markantes Zeichen ist das urchristliche Pelikanmotiv auf dem barocken Schalldeckel der Kanzel zu erkennen. Mit dem Blute seiner aufgerissenen Brust nährt er seine Jungen,. Symbol des leidenden Christus, seines Opfertodes.

Das wohl wertvollste Glaubenszeugnis ist das Kruzifix über dem Altar. Die Pfarrchronik berichtet:"1684 wurden für ein Kruzifix 18 fl (Florian-Gulden) an den Bildhauer Johann Wolfgang Fröhlicher, Frankfurt, bezahlt." Die Frage war seither, ist .dieses Kreuz mit dem vor 300 Jahren gekauften identisch?
Die letzten Nachforschungen und Bemühungen haben nun ergeben, daß die Skulptur echt ist.
Joh. Wolfgang .Fröhlicher (1652-1701) hatte sich einen großen Namen erworben .und war bestimmend für die mittelrheinische Barockplastik. Altäre von ihm stehen im Mainzer Dom, in Fulda und sein größtes Altarwerk. ist im Dom zu Trier zu bewundern.
Nun zurück zu unserem Kreuz. Die beiden Arme stammen nicht aus Fröhlichers Hand, sie sind zu plump und stimmen nicht in den Proportionen des übrigen meisterlich durchgestalteten Korpus. Pfarrer Boos (1910-1916) ließ die schadhaften Arme ergänzen.
Dieser Kruzifixus aus dem Jahre 1684 stellt somit das älteste Kunstwerk dar. Es ist aus der vorhergehenden Kapelle übernommen worden. Mit berechtigtem Stolz kann die evangelische Gemeinde auf dieses wertvolle Kreuz schauen.

Im Kirchenraum wurde hier eine wohltuende Atmosphäre geschaffen, die Ruhe ausstrahlt und jeden Besucher beglücken kann. Eine farbliche Abstimmung trägt und verbindet das gesamte barocke Schmuck- und Kunstwerk und schließt so den Kreis der Harmonie.

Das Gotteshaus mit seiner stattlichen Westfassade, inmitten des alten "Totenhofes", der bis 1846 die Verstorbenen aufnahm, hat im Dorfbild seinen bestimmenden und gebührenden Platz.

Wahrlich ist es für die Gemeinde Gronau und über ihre Grenzen hinaus ein hehrer Tag des Dankes und der Freude , die restaurierte Kirche wieder in ihren Besitz nehmen zu können. Die Kirche ist mit hohem finanziellen Aufwand in neuem - der Barockzeit entsprechenden - Glanz erstanden.

Wenn die beiden Glocken, die kleinere von 1752 und die größere von 1952, ihr Geläut ertönen lassen und die Menschen rufen und einladen, dann schließt sich der Kreis von den Lebenden zu den Toten. .

Ausblick

Mögen die Festtage dazu beitragen, sich auf alte Kulturwerte , die sich wieder eröffnen wollen, zurückzubesinnen. Eine Welt, die immer unchristlicher wird erfordert ein Glaubenszeugnis nach innen, in die Gemeinde, aber auch in die Welt hinein. Leichter ist es jedem Menschen,der Glauben hat: Freude, Hoffnung und Liebe werden entspringen.
"Bis hierher hat uns der Herr geholfen"
"Das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit" "
Alles zur Ehre Gottes"

Anmerkung der Redaktion zur Emporenmalerei: Im Staatsarchiv Marburg findet sich ein Beleg, der eine abweichende Darstellung erfordert.

"Die Malereien in den 38 Kassetten der Empore aus der Gronauer Kirche stammen von dem „Maler und Tüncher“ Conrad Jäger. Er hat auch in der Ev. Kirche von Berkersheim sowie in der Ev. Kirche von Sulzbach /Taunus ähnliche Malereien geschaffen.
1720 und 1721 quittierte er den Gronauern die Entlohnung der Arbeiten. (Staatsarchiv Marburg)
- über der Eingangsempore Mose und Aron und die vier großen Propheten Jesaja, Jeremia, Hesekiel und Daniel,
- die zwölf kleinen Propheten des Alten Testaments an der Seitenempore,
- Johannes der Täufer, Jesu Begräbnis, Auferstehung und Christus der Weltenherrscher (Weltkugel in der rechten Hand),
- an der Orgelempore die 12 Apostel plus Paulus sowie die vier Evangelisten (Matthäus, Markus, Lukas und Johannes)"